Nur wenige Menschen wissen das über die Feuerbestattung in Deutschland
Die Feuerbestattung hat sich in Deutschland zu einer weit verbreiteten Alternative zur traditionellen Erdbestattung entwickelt. Während früher die Erdbestattung der Standard war, entscheiden sich heute immer mehr Menschen für die Einäscherung. Diese Entwicklung bringt verschiedene praktische, finanzielle und rechtliche Aspekte mit sich, die bei der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle spielen. Von den erforderlichen Genehmigungen bis hin zu den Kostenfaktoren gibt es mehrere Überlegungen, die Angehörige bei der Planung einer Bestattung berücksichtigen sollten.
Wie verbreitet ist die Einäscherung heute in Deutschland?
Die Statistiken zeigen einen deutlichen Wandel in den Bestattungsgewohnheiten der deutschen Bevölkerung. Während in den 1960er Jahren nur etwa 5 Prozent aller Verstorbenen eingeäschert wurden, liegt dieser Anteil heute bei über 70 Prozent. In städtischen Gebieten ist die Quote sogar noch höher und erreicht teilweise über 80 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt veränderte gesellschaftliche Einstellungen, praktische Erwägungen und auch finanzielle Überlegungen wider.
Regionale Unterschiede sind dabei deutlich erkennbar. In Norddeutschland und den östlichen Bundesländern ist die Feuerbestattung besonders verbreitet, während in traditionell katholisch geprägten Regionen Süddeutschlands die Erdbestattung noch häufiger gewählt wird. Die Akzeptanz der Einäscherung hat sich jedoch auch in diesen Gebieten in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht.
Kosten der Einäscherung vs. traditioneller Bestattung
Die finanziellen Aspekte spielen bei der Entscheidung zwischen Feuer- und Erdbestattung eine wichtige Rolle. Grundsätzlich ist eine Feuerbestattung oft kostengünstiger als eine traditionelle Erdbestattung, wobei die Gesamtkosten von verschiedenen Faktoren abhängen.
Bei einer Erdbestattung fallen Kosten für den Sarg, die Grabstätte, die Grabpflege und oft auch für einen Grabstein an. Eine Feuerbestattung erfordert zwar ebenfalls einen Sarg für die Einäscherung, danach können die Angehörigen jedoch zwischen verschiedenen Optionen wählen: von der klassischen Urnenbestattung auf dem Friedhof bis hin zu alternativen Bestattungsformen wie Seebestattungen oder Baumbestattungen.
| Bestattungsart | Anbieter | Kostenschätzung |
|---|---|---|
| Erdbestattung | Lokale Bestattungsunternehmen | 7.000 - 15.000 Euro |
| Feuerbestattung mit Urnenbeisetzung | Bestattungsinstitute deutschlandweit | 4.000 - 8.000 Euro |
| Seebestattung | Spezialisierte Reedereien | 3.500 - 6.000 Euro |
| Baumbestattung | Friedwald, RuheForst | 2.500 - 5.000 Euro |
Kosten-, Tarif- oder Preisschätzungen in diesem Artikel basieren auf den neuesten verfügbaren Informationen, können sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Eine unabhängige Recherche wird vor finanziellen Entscheidungen empfohlen.
Erforderliche Unterlagen und Genehmigungen nach dem Tod
Für eine Feuerbestattung sind spezielle rechtliche Voraussetzungen zu erfüllen, die über die bei einer Erdbestattung hinausgehen. Der wichtigste Unterschied liegt in der zweiten Leichenschau, die bei einer geplanten Einäscherung verpflichtend ist. Diese wird von einem Amtsarzt oder einem speziell beauftragten Arzt durchgeführt und dient der endgültigen Klärung der Todesursache.
Zu den erforderlichen Dokumenten gehören der Totenschein, die Sterbeurkunde, eine Willenserklärung des Verstorbenen zur Feuerbestattung oder die entsprechende Entscheidung der Angehörigen sowie gegebenenfalls ein Nachweis über die Religionszugehörigkeit. Einige Krematorien verlangen zusätzliche Unterlagen oder haben spezielle Verfahrensweisen.
Die Bearbeitungszeit für die Genehmigungen kann je nach Region und Auslastung der Behörden variieren. In der Regel dauert es zwischen 24 und 48 Stunden nach Eingang aller erforderlichen Unterlagen, bis die Einäscherung durchgeführt werden kann. Diese Wartezeit sollte bei der Planung der Trauerfeier berücksichtigt werden.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Bestimmungen
Das deutsche Bestattungsrecht ist Ländersache, weshalb sich die Vorschriften zwischen den Bundesländern unterscheiden können. Grundsätzlich gilt jedoch, dass eine Einäscherung nur mit entsprechender Genehmigung und nach erfolgter zweiter Leichenschau erfolgen darf. Die Friedhofspflicht besteht auch für Urnen, wobei in den meisten Bundesländern mittlerweile Ausnahmen für alternative Bestattungsformen wie See- oder Baumbestattungen gelten.
Ein wichtiger Aspekt ist die Aufbewahrung der Urne. Diese darf in Deutschland grundsätzlich nicht privat aufbewahrt werden, sondern muss auf einem Friedhof oder in einer genehmigten Bestattungsanlage beigesetzt werden. Einige Bundesländer haben jedoch Lockerungen dieser Regelung eingeführt und erlauben unter bestimmten Voraussetzungen auch die private Aufbewahrung.
Die Entscheidung für eine Feuerbestattung sollte idealerweise zu Lebzeiten getroffen und dokumentiert werden. Dies erleichtert den Angehörigen die Entscheidungsfindung und stellt sicher, dass der Wille des Verstorbenen respektiert wird. Eine entsprechende Verfügung kann in der Patientenverfügung, im Testament oder in einem separaten Dokument festgehalten werden.
Die wachsende Akzeptanz der Feuerbestattung in Deutschland zeigt, wie sich gesellschaftliche Normen und praktische Erwägungen auf traditionelle Bestattungsformen auswirken. Während früher hauptsächlich religiöse Überzeugungen die Wahl der Bestattungsart bestimmten, spielen heute auch ökonomische, ökologische und praktische Faktoren eine wichtige Rolle bei dieser sehr persönlichen Entscheidung.