20 Nebenwirkungen von Levothyroxin: Was Patienten wissen müssen

Levothyroxin ist ein häufig eingesetztes Schilddrüsenhormon zur Behandlung einer Unterfunktion und nach Entfernung der Schilddrüse, etwa im Rahmen einer Krebsbehandlung. Obwohl es gut erforscht ist, treten bei falscher Dosierung oder individuellen Empfindlichkeiten Nebenwirkungen auf. Dieser Überblick erklärt, worauf Patienten achten sollten.

20 Nebenwirkungen von Levothyroxin: Was Patienten wissen müssen

Levothyroxin ersetzt das körpereigene Schilddrüsenhormon Thyroxin und wird weltweit bei Hypothyreose sowie nach Schilddrüsenoperationen oder Radiojodtherapie eingesetzt, häufig auch zur TSH-Suppression. Nebenwirkungen entstehen meist durch Über- oder Unterdosierung, seltener durch Unverträglichkeiten gegen Hilfsstoffe. Regelmäßige Kontrollen von TSH sowie bei Bedarf freiem T4 und T3 helfen, die Dosis individuell zu justieren. Wichtig ist außerdem der korrekte Einnahmezeitpunkt auf nüchternen Magen mit ausreichend Abstand zu Kaffee, Milch, Eisen- oder Calciumpräparaten, da diese die Aufnahme beeinflussen können.

Im Überblick finden Sie 20 mögliche Nebenwirkungen. Nicht alle treten bei jedem auf, und viele sind reversibel, wenn die Dosis angepasst wird.

  1. Schlafstörungen wie Einschlaf- oder Durchschlafprobleme
  2. Herzklopfen und Herzrasen
  3. Zittern der Hände
  4. Nervosität, innere Unruhe oder Reizbarkeit
  5. Kopfschmerzen
  6. Schwitzen und Wärmeintoleranz
  7. Durchfall oder häufigerer Stuhlgang
  8. Gewichtsabnahme bei Überdosierung
  9. Gewichtszunahme bei Unterdosierung
  10. Muskelzittern oder Muskelschwäche
  11. Muskelkrämpfe
  12. Haarausfall, insbesondere zu Therapiebeginn vorübergehend
  13. Menstruationsunregelmäßigkeiten
  14. Hautausschlag oder Juckreiz als Unverträglichkeitszeichen
  15. Brustschmerzen oder Engegefühl bei vorbestehender Herzerkrankung
  16. Bluthochdruck oder Blutdruckschwankungen
  17. Angstgefühle oder Stimmungsschwankungen
  18. Knochendichteverlust bei langfristiger Überdosierung
  19. Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern bei empfindlichen Personen
  20. Sehr selten allergische Reaktionen mit Schwellungen oder Atemnot, medizinischer Notfall

Schlafstörungen

Schlafstörungen sind eine häufig berichtete Empfindung, besonders wenn die Dosis zu hoch ist oder die Einnahmezeit ungünstig gewählt wurde. Eine zu starke Hormonwirkung kann den Kreislauf ankurbeln, Puls und Temperatur leicht erhöhen und damit das Einschlafen erschweren. Die Tablette sollte nüchtern mit Wasser eingenommen werden, in der Regel morgens, mit 30 bis 60 Minuten Abstand zum Frühstück. Manche Patientinnen und Patienten profitieren von einer abendlichen Einnahme mit ausreichend Abstand zur letzten Mahlzeit, jedoch sollte ein Wechsel nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. Wenn Schlafstörungen neu auftreten oder zunehmen, ist eine Laborkontrolle sinnvoll, um die Hormonlage zu prüfen und die Dosis anzupassen.

Gewichtsschwankungen

Gewichtsschwankungen hängen meist mit der Stoffwechsellage zusammen. Bei Unterdosierung verlangsamt sich der Stoffwechsel, was Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme begünstigen kann. Bei Überdosierung läuft der Stoffwechsel schneller, was zu Gewichtsabnahme führen kann, oft begleitet von Appetitveränderungen und vermehrtem Schwitzen. Nach Beginn einer Therapie normalisiert sich das Gewicht häufig schrittweise, wenn die Zieldosis erreicht wird. Da Gewicht durch viele Faktoren beeinflusst wird, sollte man Veränderungen über mehrere Wochen beobachten und bei anhaltenden Auffälligkeiten TSH und freies T4 prüfen lassen. Eine konstante Einnahme, möglichst immer auf die gleiche Weise, reduziert Schwankungen.

Seltene Nebenwirkungen zu berichten

Seltene Nebenwirkungen zu berichten ist wichtig für die Arzneimittelsicherheit. Dazu zählen starke allergische Reaktionen mit Hautausschlag, Schwellungen im Gesicht oder an den Lippen, plötzliche Atemnot, schwere Brustschmerzen, unregelmäßiger Herzschlag, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfälle. In solchen Situationen ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich. Auch weniger dramatische, aber ungewöhnliche Beschwerden wie ausgeprägte Stimmungslabilität, starkes Zittern, nicht erklärbare Blutdruckspitzen oder anhaltende gastrointestinale Probleme sollten dokumentiert und dem behandelnden Team gemeldet werden. Je nach Land können Verdachtsfälle zusätzlich an nationale Pharmakovigilanzstellen gemeldet werden. Halten Sie dazu Handelsname, Dosis, Einnahmedauer, Begleitmedikamente, Nahrungsergänzungsmittel sowie den zeitlichen Verlauf der Symptome fest.

Einige praktische Hinweise können helfen, Nebenwirkungen zu vermeiden oder zu reduzieren. Erstens sollten Abstände zu Interaktionspartnern eingehalten werden. Eisen, Calcium, Magnesium, bestimmte Säureblocker und sojahaltige Produkte können die Aufnahme mindern. Ein Abstand von mindestens vier Stunden zu Eisen und Calcium ist üblich. Zweitens kann ein Wechsel auf ein Präparat mit anderer Tablettengrundlage sinnvoll sein, wenn eine Unverträglichkeit gegen Hilfsstoffe vermutet wird. Drittens erhöhen Herzkrankheiten, Osteoporose oder höheres Alter die Empfindlichkeit für eine zu hohe Dosis, weshalb hier besonders vorsichtig auftitriert wird. Viertens sollten Routinekontrollen nach Dosisänderungen frühestens nach sechs bis acht Wochen erfolgen, da sich TSH erst verzögert stabilisiert.

Differenzialdiagnosen spielen eine große Rolle. Symptome wie Müdigkeit, Haarausfall, depressive Verstimmung, Gewichtszunahme oder Kälteempfindlichkeit werden oft einer Unterfunktion zugeschrieben, können aber auch andere Ursachen haben. Umgekehrt ähneln Nervosität, Schwitzen, Herzrasen und Schlafstörungen einer Überfunktion, die ebenfalls unabhängig von Levothyroxin entstehen kann. Eine nüchterne, laborgestützte Beurteilung verhindert Fehldeutungen und unnötige Dosisänderungen. Notieren Sie neue Medikamente, Infekte, größere Ernährungsumstellungen oder Zyklusveränderungen, da diese die Werte beeinflussen können.

Bei Patientinnen und Patienten nach Schilddrüsenkrebstherapie wird Levothyroxin häufig in etwas höherer Dosis zur TSH-Suppression eingesetzt. Dabei ist die Balance zwischen gewünschter Suppression und Vermeidung von Nebenwirkungen besonders wichtig. Regelmäßige kardiologische und osteologische Kontrollen können sinnvoll sein, insbesondere bei Risikofaktoren für Herzrhythmusstörungen oder Knochendichteverlust. Ein schrittweises Vorgehen mit engmaschigem Monitoring senkt das Risiko für Beschwerden und ermöglicht eine stabile, alltagsverträgliche Einstellung.

Fazit: Levothyroxin ist ein etabliertes Arzneimittel mit gut steuerbarem Nutzen-Risiko-Profil. Die meisten Nebenwirkungen lassen sich durch korrekte Einnahme, realistische Erwartungen an den zeitlichen Verlauf und konsequente Laborkontrollen vermeiden oder lindern. Bei anhaltenden oder ungewöhnlichen Symptomen ist eine ärztliche Bewertung erforderlich, um Dosierung, Interaktionen und alternative Ursachen zu prüfen.

Hinweis zu Gesundheitsthemen: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Bitte wenden Sie sich für eine persönliche Einschätzung und Behandlung an eine qualifizierte medizinische Fachkraft.